Zuletzt bearbeitet: 09.08.2017, 10 mal gelesen.

Die Mährisch-Schlesische Grenzregion und ihr Erbe

Land: Tschechische Republik

Die nordmährische Metropole Ostrau und die ganze Mährisch-Schlesische Grenzregion sind nach wie vor ein Geheimtipp: Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Sprachen und Gebiet einer spannungsreichen Geschichte, ist die Gegend geprägt von ihrer ehemals bedeutenden Montanindustrie. Auf beiden Seiten der heutigen polnisch-tschechischen Grenze befanden sich dank der großen Rohstoffvorkommen wichtige Zentren der Schwerindustrie, die heute unter neuer Nutzung zu einer zweiten, nunmehr kulturellen Blüte gefunden haben und eindrucksvolle Einblicke in das Leben und Arbeiten unter Tag vermitteln.

„Stahlherz der Republik" wurde Ostrava/ Ostrau, die drittgrößte Stadt der Tschechischen Republik, noch bis vor knapp 20 Jahren genannt. Diesen Namen verdankt sie dem gewaltigen Industriekomplex Dolní Vítkovice, heute auch liebevoll als „Hradschin von Ostrava“ bezeichnet. Die Ballung der Industriezweige hier ist einzigartig: Das Bergwerk Hlubina förderte die Kohle, die gleich nebenan verkokt wurde und die Hochöfen der ebenfalls unmittelbar benachbarten Eisenhütte heizte. 1998 erloschen die Hochöfen nach 162 Jahren Laufzeit endgültig. Ein großer Teil der aufgegebenen Industrieanlage, darunter zahlreiche Gebäude des 19. Jahrhunderts, wurden in Folge zum nationalen Kulturmonument erklärt. Heute entsteht aus der Industriebrache eine neue Stadt. Wer sich einen Überblick verschaffen will, fährt am besten mit dem spektakulären Schrägaufzug auf den 70 Meter hohen Hochofen. Das neue Science-Center spannt in seiner Ausstellung einen großen Bogen über die Natur-, Zivilisations- und Technikgeschichte und gibt seinen Besuchern das Gefühl, in einer Zeitmaschine zu sitzen. Auch die ehemalige Zeche zeigt sich gründlich verändert. Ihre restaurierten Gebäude beherbergen heute Konferenzen und Kulturveranstaltungen, und im alten Gasspeicher residiert die multifunktionale Veranstaltungshalle „Gong" mit Galerie und Café. Neben diesen Höhepunkten des Industriezeitalters gibt es aber auch schöne historische Altstädte, besonders in Opava/ Troppau. Diese ehemalige Hauptstadt des Kronlandes Schlesiens gibt einen Eindruck vom kulturellen Erbe dieser Grenzregion.

Nur wenige Kilometer weiter, über die Grenze, liegt das industrielle Herz der Woiwodschaft Schlesien und die meisten historischen Industrieobjekte Polens. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts führte die Industrialisierung Europas auch in Schlesien zu einschneidenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Veränderungen. Schlesien entwickelte sich von einer Peripherieregion zu einem der führenden Industriezentren Europas. Kaum eine andere polnische Stadt verbindet die industrielle Vergangenheit und die Gegenwart auf so faszinierende Weise wie Katowice/ Kattowitz. „Von der Kohle zur Kultur“ heißt hier das Motto unter dem der Wandel zum modernen Kultur- und Dienstleistungszentrum vollzogen wurde. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche entstand eine neue Kulturzone mit der bereits in den 1970er-Jahren errichteten Eventhalle, die liebevoll „Spodek“ genannt, auf den ersten Blick tatsächlich an ein gelandetes UFO erinnert; dem neuen begrünten Kongresszentrum, von dessen Dach man einen Ausblick auf die Stadt genießen kann; dem sehenswerten Schlesischen Museum, das vom Grazer Architekturbüro Riegler Riewe entworfen wurde und in die Tiefe der Erde führt sowie dem ebenfalls architektonisch spannenden jungen Konzerthaus des Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks. Letzteres bietet eine erstklassige Akustik, für die der Japaner Yasuhisa Toyota, der auch die Klangwirkung in der Hamburger Elbphilharmonie schuf, verantwortlich zeichnet. Wenige Kilometer entfernt bietet die ehemalige Zeche „Guido“, das mit 320 Metern unter der Erde tiefste Besucherbergwerk Europas, eindrucksvolle Einblicke in die Arbeitswelt unter Tag. Ein 250 Tonnen schwerer Rohkohle-Container, Förderbänder, eine Vortriebmaschine der Marke Alpina in voller Aktion, dazu hydraulische Stützpfeiler, verschiedene Transporteinrichtungen sowie eine Seismographenkammer und Geräuscheffekte versetzen den Besucher mitten hinein in die Untertagewelt des 20. Jahrhunderts. Von ganz besonderem Reiz sind auch die unterirdischen Konzerte und Theateraufführungen oder das am tiefsten gelegene Restaurant Europas, wo man das Bier „Guido“ zum Beispiel zu Rindsroulade mit Rotkraut und Knödel verkosten kann.

Ein spannendes Reiseziel abseits der bekannten Touristenrouten, nicht nur für Technikinteressierte! Falls dieser Artikel Ihr Interesse geweckt hat, wir fahren das nächste Mal Mitte November 2017 hin. Kontaktieren Sie mich gerne.

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Reiseexperte Swiech Ewa

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